Osteophyten: Wie DVT ossäre Gelenkveränderungen dreidimensional erfasst

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Osteophyten: Wie DVT ossäre Gelenkveränderungen dreidimensional erfasst


Osteophyten sind ein Befund, den jeder Orthopäde und Unfallchirurg täglich sieht. Im Röntgen als Randwülste, in der Klinik als mögliche Ursache für Bewegungseinschränkung, Impingement oder Schmerz. Die entscheidende Frage ist selten, ob Osteophyten vorhanden sind, sondern wo genau, wie groß und ob sie tatsächlich das klinische Bild erklären. Konventionelles Röntgen liefert dafür eine projektionsbasierte Annäherung. Die digitale Volumentomographie (DVT, international auch als CBCT bekannt) liefert die räumliche Antwort.

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Was Osteophyten sind und wie sie entstehen

Osteophyten entstehen als ossäre Reaktion auf veränderte Gelenkbelastung, Knorpelabbau und subchondrale Knochenveränderungen. Sie sind ein charakteristisches Zeichen der Osteoarthrose, können aber auch als Folge chronischer Überlastung, nach Gelenktrauma oder bei rheumatischen Erkrankungen auftreten.

Spondylophyten, die Wirbelkörpervariante, entstehen an den Wirbelkörperrandkanten, häufig als Ausdruck degenerativer Bandscheibenerkrankungen. Sie können foraminal oder zentral in das Spinalkanallumen einwachsen und dadurch neurologische Symptome erzeugen.

Beide Formen, periphere Osteophyten an Extremitätengelenken und Spondylophyten an der Wirbelsäule, profitieren von einer dreidimensionalen Bildgebung, die die Lage, Ausdehnung und topographische Beziehung zu Nachbarstrukturen klar darstellt.

Diagnostische Stärke von DVT bei ossären Gelenkveränderungen

Laut verfügbarer Studienlage zur präoperativen Beurteilung von Gelenkarthrose mittels DVT/CBCT-Arthrographie an Extremitätengelenken konnte die diagnostische Wertigkeit für die Erfassung von Gelenkspaltminderung, subchondraler Sklerose, Osteophyten und Gelenkkonfiguration bestätigt werden. Die DVT liefert präoperativ direkt verwertbare Informationen zur Gelenkflächenbeurteilung.

Für das Kniegelenk spezifisch untersuchten Studien zur Extremitäten-DVT die Beurteilung medialer tibiofemorale Arthrose unter Belastung. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass gewichtsbelastete DVT-Aufnahmen valide Information zur Gelenkflächengeometrie und Kompartimentlast liefern, die konventionelle Röntgenstandaufnahmen nicht vollständig abbilden. Osteophytengröße und -lokalisation waren in der DVT dreidimensional beurteilbar.

Klinische Szenarien: Wann DVT bei Osteophyten klinisch relevant ist

Schultergelenk — Impingement durch Osteophyten: Osteophyten am Akromion, am Akromioklavikulargelenk oder am Glenoid können subakromiale Engpasssyndrome verursachen oder unterhalten. Im DVT ist der Osteophyt in seiner Lage zur Supraspinatussehnenpassage exakt beurteilbar. Das ist eine Information, die für die Entscheidung zwischen konservativer Therapie, subakromialer Injektion und arthroskopischer Akromioplastik relevant ist.

Sprunggelenk — Os tibiale oder anteriores Impingement: Osteophyten am vorderen Tibiatibula-Gelenkspalt verursachen anteriores Sprunggelenk-Impingement. Hier handelt es sich um einen häufigen Befund bei Sportlern und Patienten mit chronischer Instabilität. Die genaue Ausdehnung des Osteophyten und seine Beziehung zum Gelenkspalt sind mittels DVT axial und sagittal direkt messbar.

Kniegelenk — mediales oder patellofemorales Kompartiment: Mediale Tibiaplateau-Osteophyten und Femurkondylus-Osteophyten bei medialer Gonarthrose sind in der Entscheidungssituation Knie-TEP vs. unikondyläre Schlittenprothese vs. konservative Weiterbehandlung relevant. Die DVT ermöglicht eine präzisere Kompartimentbeurteilung als im 2D-Röntgen.

Wirbelsäule — Spondylophyten und Neuroforamenstenose: Spondylophyten an der HWS können über foraminale Enge zu radikulären Symptomen führen. Geeignete DVT-Systeme können die Spondylophytenausdehnung in sagittalen und axialen Schnittrekonstruktionen darstellen. Wichtige Einschränkung: Die Weichteilkompression des Myelons oder der Nervenwurzel bleibt dem MRT vorbehalten. Die DVT erfasst die ossäre Ursache, nicht die neurologische Konsequenz.

Verlaufsbeobachtung unter Therapie

Für Patienten unter konservativer Therapie mit Osteophyten-assoziierter Arthrose, Physiotherapie, Injektionstherapie, Orthesen, ist eine Verlaufsbildgebung gelegentlich indiziert. Die DVT ermöglicht eine im Vergleich zu konventionellem CT dosisreduzierte Verlaufskontrolle, die für die klinische Entscheidung ausreichend ist, wenn der Fokus auf der ossären Veränderung liegt.

Für die Indikationsstellung zur endoprothetischen Versorgung, bei manifester Arthrose mit Osteophytenbildung, Gelenkraumverschmälerung und klinisch nicht mehr ausreichend behandelbarem Beschwerdebild, liefert die DVT eine objektive bildgebende Grundlage, die im Patientengespräch direkt eingesetzt werden kann.

Fazit

Osteophyten sind ein alltäglicher Befund, ihre klinische Relevanz aber ist individuell und räumlich. Die DVT macht diese räumliche Dimension sichtbar und ermöglicht eine klinische Entscheidung, die auf mehr als einer Projektionsaufnahme basiert. Für Praxen mit degenerativem Schwerpunktpatientenkollektiv und Fokus auf Extremitätengelenke ist das SCS MedSeries® H22 ein praxisinternes Werkzeug für genau diese Fragestellung.

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Prof. Dr. med. Heinz Lohrer
Borsigstraße 2
65205 Wiesbaden
www.medical-center-wiesbaden.de

Erschienen in: SCS Magazin | Ausgabe 1


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