Otosklerose ist eine fokale Erkrankung der Labyrinthkapsel, die zu einer progressiven Schallleitungs- oder kombinierten Schwerhörigkeit führt. Die Diagnose erfolgt klinisch und audiometrisch – aber die Entscheidung zur Stapesplastik und die Operationsplanung erfordern eine klare Bildgebung. Die CBCT (Cone-Beam-CT), klinisch auch als DVT bezeichnet, hat sich hier als validierte niedrigdosierte Alternative zur Mehr-Zeilen-CT (HRCT) etabliert.
Klinische Ausgangssituation

Otosklerose manifestiert sich typischerweise in der zweiten bis vierten Lebensdekade mit progredientem, häufig beidseitigem Hörverlust, oft assoziiert mit einem positiven Schwabach-Versuch und fehlendem Stapediusreflex. Die Tympanometrie zeigt klassisch den As-Typ. Sofern ein operativer Eingriff erwogen wird – Stapedektomie oder Stapedotomie – ist die präoperative CT-Bildgebung Standard.
Relevant für die OP-Planung ist: Ausdehnung der otosklerotischen Herde, Zustand des ovalen Fensters, Position des Nervus facialis, Anatomie des Chorda-tympani-Winkels und Ausprägung der Mittelohrstrukturen insgesamt. Einzelne dieser Strukturen sind sub-millimeter-klein – was hohe Anforderungen an die Bildgebungsauflösung stellt.
Was CBCT in der Otosklerosediagnostik leistet
Das H30-System der SCS liefert isotrope Datensätze mit einer geräteabhängigen Voxelgröße im Bereich ≤ 0,2 mm – ausreichend für die Darstellung der Stapes-Crura, des ovalen Fensters und der otosklerotischen Herdentwicklung im Bereich der Fissula ante fenestram. Klassische CBCT-Befunde:
Hypodense Areale perifokal um das ovale Fenster – Zeichen aktiver Demineralisation (otospongiotische Phase) in der Fissula ante fenestram. Im inaktiven Stadium zeigen sich sklerotische Verdichtungen. Eine laterale Cochleaotosklerose mit Einengung des Ductus cochlearis ist ein Hinweis auf eine sensorineurale Komponente und verändert die Prognose der Stapesplastik.
Die CBCT erkennt aktive Herde mit hoher Sensitivität. Zur objektiven Einordnung der aktiven/spongiösen Phase wurden zudem kalibrierte Pixelwert-Verhältnisse im Felsenbein-CBCT validiert. Die Darstellung der knöchernen Mittelohranatomie ist gut belegt.
Strahlendosis im Vergleich zum konventionellen CT
Eine konventionelle CT des Felsenbeins erzeugt eine effektive Dosis in der Größenordnung von rund 0,4–1,5 mSv (gerätespezifischer Richtwert). Die CBCT-Dosis ist geräteabhängig und wird in der Literatur als niedriger beschrieben (Liktor et al., 2014). Wichtig zur Einordnung: Sehr niedrige Werte wie 0,05–0,15 mSv sind nicht belastbar belegt – eine Phantommessung an einem Cone-Beam-Gerät (DynaCT) ergab für das Felsenbein rund 0,6 mSv (Steiniger et al., 2022). Dosisangaben sollten daher als typische, gerätespezifische Richtwerte verstanden werden. Bei beidseitiger Otosklerose und mehrfachen Verlaufsaufnahmen bleibt ein Dosisvorteil gegenüber dem HRCT geräteabhängig dennoch klinisch relevant.
Gleichzeitig ist die räumliche Auflösung für ossäre Felsenbeinstrukturen bei der CBCT mit dedizierten HNO-Systemen mit der konventionellen CT vergleichbar. Studien zeigen keine signifikante Unterlegenheit der CBCT in der Detektion typischer Otosklerose-Herde.
Navigationsfähigkeit des Datensatzes
Für die navigationsgestützte Stapesplastik kann der DICOM-Datensatz des H30 in kompatible Navigationssysteme importiert werden. Das bedeutet: Bildgebung in der eigenen Praxis, Weiterleitung des Datensatzes an den operierenden Kollegen. Ein strukturiertes Kooperationsmodell zwischen ambulanter HNO-Praxis und Klinik mit Operationskapazität lässt sich so abbilden.
Abgrenzung zu anderen Ursachen der Schallleitungsschwerhörigkeit
Die CBCT ist bei Otosklerose nicht die einzige Bildgebungsfrage: Tympanosklerose, Cholesteatom, kongenitale Mittelohrfehlbildung – all das kann klinisch ähnlich aussehen. Das H30 unterstützt die bildmorphologische Abgrenzung dieser Entitäten auf knöcherner Ebene. Intrakranielle oder Nervus-facialis-Pathologien sowie die Gewebedifferenzierung (z. B. Cholesteatom) bleiben dem MRT vorbehalten; für rein ossäre Felsenbeinfragestellungen ist CBCT jedoch ausreichend und strahlenhygienisch vorteilhaft.
Fazit
Otosklerose-Diagnostik mittels CBCT ist heute kein Nischenthema mehr. Das H30 bietet die notwendige Auflösung für die präoperative Planung der Stapedotomie, erlaubt eine niedrigdosierte Verlaufsbeobachtung bei konservativer Therapie mit Natriumfluorid und produziert navigierbare DICOM-Datensätze für die operative Zusammenarbeit.
Informationen zum H30-System: myscs.com – SCS MedSeries® H30