Radiusfraktur: DVT-Bildgebung in der unfallchirurgischen Diagnostik
Distale Radiusfrakturen sind nach Hüftfraktur und Wirbelkörperfraktur die häufigsten osteoporoseassoziierten Verletzungen und zählen gleichzeitig zu den verbreitetsten Handgelenkverletzungen nach einem Sturz. Die klinische Entscheidung – konservativ oder operativ – hängt wesentlich von der Frakturklassifikation und der Gelenkflächenbeteiligung ab. Genau das lässt sich mit der DVT (digitalen Volumentomographie) präziser beurteilen als mit dem konventionellen Röntgen.

Was konventionelles Röntgen bei Radiusfrakturen nicht zeigt
Die gängige Diagnostik beginnt mit zwei Röntgenebenen. In der Mehrzahl der Fälle reicht das für eine erste Einordnung. Kritisch wird es bei intraartikulären Frakturen: Die exakte Stufenbildung der distalen Radiusgelenkfläche, die Anzahl und Lage der Fragmente sowie die Beteiligung der Incisura ulnaris sind im 2D-Bild oft nicht vollständig beurteilbar. Eine Stufenbildung von mehr als 2 mm gilt als Grenzwert für operative Versorgung — und ist im Röntgenbild häufig unterschätzt.
Studien zeigen, dass die Fragmentanzahl und die Gelenkflächenkongruenz bei intraartikulären distalen Radiusfrakturen mit DVT/CBCT signifikant genauer klassifiziert werden als mit konventioneller Röntgendiagnostik. Das hat direkte Konsequenzen für die Therapieentscheidung.
Frakturklassifikation mit DVT: AO und Melone im Überblick
Die AO-Klassifikation unterscheidet extraartikuläre (Typ A), partiell intraartikuläre (Typ B) und vollständig intraartikuläre (Typ C) Frakturen. Für die operative Planung – insbesondere die Entscheidung zwischen dorsaler und palmarer Plattenosteosynthese – ist die räumliche Fragmentkonfiguration entscheidend. Die DVT liefert in axialer, koronaler und sagittaler Schichtung sowie als 3D-Rekonstruktion eine direkt verwertbare Darstellung.
Für dorsoulnare Fragmentierungen (sog. „die punch"-Frakturen der Handgelenklinie) ist die DVT besonders wertvoll: Die Beteiligung der ulnaren Säule, der Prozessus styloideus ulnae und der Incisura ulnaris lässt sich in der 3D-Ansicht präzise bestimmen. Spezielle Projektionen – z. B. axiale Schichten durch das distale Radioulnargelenk (DRUG) – sind ohne Mehraufwand aus dem Datensatz rekonstruierbar.
Strahlendosis im Vergleich
Eine konventionelle CT des Handgelenks produziert effektive Dosen von 0,1–0,3 mSv. Die DVT mit SULD-Protokoll liegt bei 0,01–0,05 mSv für dasselbe Zielvolumen bei vergleichbarer knöcherner Auflösung. Für ein Patientenkollektiv, das häufig älter ist und ohnehin mehrfach geröntgt wird, ist die kumulative Dosisreduktion klinisch relevant.
Hinzu kommt: Das DVT-System steht in der eigenen Praxis oder Klinik. Der Patient wird nicht in ein Radiologiezentrum überwiesen, Wartezeit und Informationsverlust entfallen, die Befundintegration in das Erstgespräch ist unmittelbar möglich.
Verlaufskontrolle nach konservativer Therapie
Bei Gipsversorgung oder Bracing klinisch instabiler Radiusfrakturen ist eine sekundäre Dislokation – Radiusverkürzung, zunehmendes Ulnardeviat, Stufenbildung – das Risiko. Röntgen-Verlaufskontrollen im Gips sind durch Überlagerung und Projektionsverzerrung eingeschränkt. Eine DVT-Kontrolle nach Gipsabnahme gibt über den tatsächlichen Repositionsstatus zuverlässig Auskunft und hilft, einen Zweiteingriff rechtzeitig zu planen oder sicher auszuschließen.
Fazit für die Praxis
Radiusfrakturen profitieren von der DVT vor allem bei intraartikulärer Beteiligung und bei der präoperativen Planung. Das H22-System von SCS ermöglicht diese Diagnostik praxisintern, dosisreduziert und ohne Patientenversand. Die klinische Entscheidungssicherheit — konservativ, operativ, Plattendesign — ist mit 3D-Datensatz nachweislich höher als mit zweidimensionaler Röntgendiagnostik.
Weitere Informationen zum H22-System: Myscs